Frag doch mal… Mütter! – Das Image von Müttern in Unternehmen

Letzte Woche hatte ich eine Klientin, die mit sehr viel Trauer, Enttäuschung und Wut zu mir kam. Sie wollte nach der Elternzeit wieder in ihren „alten“ Job zurück. Trotz wenig motivierenden Gesprächen mit ihrem Chef, ob sie es sich auch wirklich gut überlegt habe und ob sie es auch mit Kind schaffe, wollte sie nächsten Monat starteten. Anfangs hatten ihr die Gespräche sogar noch mehr Antrieb und Kraft geben. Sie wollte der Berufswelt zeigen, dass sie ebenso gut wie vor der Geburt ihres Kindes ihren Job leben kann. Doch dann zweifelte sie, sogar an ihren Kompetenzen und wollte alles hinschmeißen…*

Image von berufstätigen Müttern

Abends überlegte ich und dachte mal wieder im Allgemeinen über das Image von berufstätigen Müttern nach. Dabei interessierte mich auch Grundlegendes. Was ist ein Image überhaupt? Schnell nachgeguckt bei Wikipedia bedeutet Image „das innere Gesamt- und Stimmungsbild bzw. den Gesamteindruck, den eine Mehrzahl von Menschen von einem Meinungsgegenstand hat. (…) Dieser Gesamteindruck ist eine subjektive Kategorie, er muss nicht objektiv richtig sein. Gleichwohl beeinflusst oder steuert er das Verhalten der Menschen, …“ 

Interessant. Viele sprechen hier auch von einem Rollenbild, Ruf oder Stempel. Mütter bekommen ihn im Vorfeld unter Umständen aufgedrückt, auch wenn er dann nicht der Realität entspricht. Mmmmhhh… Ich fragte mich weiter: Wie sieht der Stempel aus? Was ist das Image von berufstätigen Müttern und wie wünschen wir es uns? Spannende Fragen, die ich gerne etwas näher beleuchten möchte. Was eignet sich besser als meine neue Serie „Frag doch mal … Mütter!“? Daher habe ich sowohl Mütter als auch einen Vater nach ihrer Einschätzung bzw. seiner Einschätzung gefragt. Die Antworten findet ihr hier:

 

Simone, 2 Kinder, Business Development

1. Wie sieht deiner Meinung nach das Rollenbild bzw. Image einer Mutter in der Berufswelt aus?

Generell ist die Rolle oftmals noch negativ geprägt: meist nicht Vollzeit arbeitend – also auch „weniger“ als andere und dann noch unflexibel. Das liegt daran, dass Mütter sich meist aus einer Vollbeschäftigung heraus verändern. Im akademischen Bereich auch gern nach steilem Karriereweg dann doch Familie möchten. Zudem kämpfen Führungskräfte ian vielen Unternehmen dank Restrukturierungen um FTE-(Vollzeit-)Stellen – die sind dann erstmal in der Elternzeit geblockt. All das treibt natürlich eher die Denke „Wegfall Ressource“. Aber entscheidend ist letztlich das eigene Rollenverständnis und der Umgang damit: Meist empfinden sich die Mütter selber für das Unternehmen als „weniger wert“. Wie soll da das äußere Bild ein anderes sein?

2. Welches Rollenbild bzw. Image wünscht du dir? Was sollte sich ändern?

Ich würde mir wünschen, dass die Mütter zuerst selber begreifen, dass und was sie Tolles leisten. Ich kenne nur Mütter, die gerne arbeiten und sich Arme und Beine ausreißen, um beide Rollen gut und noch besser zu wuppen. Das ist meistens Herausforderung aber beflügelt auch mit ganz neuen Fähigkeiten. Hielt man sich früher schon für effizient, legen Mütter vor allem in Teilzeit einiges drauf. Manchmal denke ich, manche Mütter schaffen in Teilzeit, was sie vorher in Vollzeit geleistet haben. Viele verzichten auf soziales Drumherum wie gemeinsames Mittagessen – ein echter Verlust fürs Netzwerk und auch den eigenen Ausgleich.

3. Was könnten wir als berufstätige Mütter machen, um das Image dorthin zu verändern?

Vor allem kommunizieren: über die eigene Bereitschaft, den Rahmen und Grenzen – aber auch den Mut haben, Anforderungen an Aufgaben und Umfeld zu stellen. Es ist vor allem wichtig nicht einfach nur in den Job zurück zu kehren, sondern für sich selber und mit den Vorgesetzen proaktiv abzustimmen: 1. Aufgabenbereich (Passt alles noch inhaltlich? Was passt zur Situation und ist mir wichtig?), 2. Zeitliche Anforderungen (Stundenzahl, Anwesenheit und Home Office, Flexibilität). Andere Mütter selbst wertschätzen und unterstützen. Und das Wichtigste: stolz und zufrieden mit sich zu sein – dann kann man auch ohne schlechtes Gewissen den zweiten Job genießen.

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Cathrin, ein Kind, Karriere- und Bewerbungs-Coach

1. Wie sieht deiner Meinung nach das Rollenbild bzw. Image einer Mutter in der Berufswelt aus?
 
Es ist doch so: Wenn Mütter erstmal im Unternehmen (etabliert) sind, dann ist oft alles gut – weil alle sehen, dass es funktioniert. Plötzlich hat keiner mehr das Klischee der überforderten Mutter vor Augen, die nie da ist, weil die Kinder krank sind, sondern eine reale Person, die ihren Job womöglich effizienter macht als manch anderer. Das heißt im Klartext:  Mütter im Unternehmen sind deutlich wertvoller als ihr Ruf. Unternehmen verstehen das heute glücklicherweise  zunehmend – wobei der Fachkräftemangel seinen Anteil an diesem Wandel haben mag.
 
2. Welches Rollenbild bzw. Image wünscht du dir? Was sollte sich ändern?
 
Fakt ist: Es kommt immer auf die einzelne Mutter an, wie gut sie ihren Job macht – genau wie bei allen anderen auch. Ein Image bildet nie jeden Einzelfall ab. Mein Wunsch wäre deswegen, dass jeder nach seinem individuellen Einsatz und seiner Leistung beurteilt wird – und nicht nach seinem Image. Egal ob Mutter oder nicht.
 
3. Was könnten wir als berufstätige Mütter machen, um das Image dorthin zu verändern?
 
Gib‘ dein Bestes und lass‘ dich nicht aus dem Konzept bringen. Es denken nicht alle Menschen gleich und nur weil einige mit dir als Mutter und Arbeitskraft ein Thema haben, heißt das noch lange nicht, dass alle so denken. Wenn du selber weißt was du kannst werden es auch andere verstehen. Es fängt immer bei dir selber an!
 
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Nora, ein Kind, Marketing

1. Wie sieht deiner Meinung nach das Rollenbild bzw. Image einer Mutter in der Berufswelt aus?

Männer sind Chefs und Frauen Assistentinnen. Leider verhindern die traditionellen Rollenbilder oft die Karriere von Frauen. Es gibt inzwischen zum Glück viele Unternehmen die erkannt haben wie wertvoll Mütter als Arbeitskraft sind. Oft haben Arbeitgeber Sorgen, dass wenn sie eine Mutter einstellen die zum Beispiel oft ausfällt, weil die Kinder krank sind etc. Aber viele Chefs wären überrascht, dass es gar nicht so oft vorkommt und wenn es auch kein Weltuntergang ist.

2. Welches Rollenbild bzw. Image wünscht du dir? Was sollte sich ändern?

Egal ob Mann oder Frau sollte jeder die gleichen Karrierechancen haben und auch das gleich Gehalt bei gleicher Arbeit bekommen. Unternehmen sollten keine „Angst“ davor haben Mütter einzustellen (vor allem auch in Teilzeit und auf „höheren“ Ebenen). Die meisten berufstätigen Mütter die ich kenne sind super organisiert und vernetzt und fallen selten aus. Oder sie arbeiten zu Hause noch Sachen nach etc.

3. Was könnten wir als berufstätige Mütter machen, um das Image dorthin zu verändern?

Erstens sollten wir Frauen zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen. Leider gibt es oft noch Zickenkrieg im Berufsleben. Und gerade Frauen untereinander gönnen sich oft den Erfolg nicht. Es gibt auch unter berufstätigen Müttern schwarze Schafe. Über die sollten wir uns nicht aufregen und Chefs sollten diese Frauen nicht als Paradebeispiel für berufstätige Mütter sehen. Und was sollten wir sonst ändern? Nichts! Einfach unseren Job gut machen und gerne öfter stolz auf uns selber sein, was wir leisten ?

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Frank, 2 Kinder, leitender Angestellter

1. Wie sieht deiner Meinung nach das Rollenbild bzw. Image einer Mutter in der Berufswelt aus?

Ich konnte in den Unternehmen, in denen ich bislang tätig war, kein spezielles Rollenbild von Müttern mit Blick auf Kriterien wie Professionalität oder Leistung wahrnehmen, weder als Kollege noch als Vorgesetzter von berufstätigen Müttern. Für mich macht das keinen Unterschied! 

Aber natürlich spielt in vielen Situationen im Berufsleben das Thema Flexibilität eine Rolle und da sind berufstätige Mütter oft im Nachteil, z.B. bei Meetings, die länger dauern als geplant, oder Rückflügen, die sich verspäten etc.  Insbesondere wenn der Partner oder die Großeltern dann nicht einspringen können. 

Ich muss auch zugeben, seitdem ich selbst Vater bin, verstehe ich diese Thematik auch besser, vielleicht sogar besser als Kolleginnen ohne Kinder (Stichpunkt Unberechenbarkeit von Kinderkrankheiten, Kita-Streiks etc.)

2. Welches Rollenbild bzw. Image wünscht du dir? Was sollte sich ändern?

Meiner Meinung nach solltet Ihr Euch nicht um Euer Image Gedanken machen, sondern das einfordern, was Euch genauso zusteht wie allen anderen auch: Ihr arbeitet ja keinen Deut schlechter, weil Ihr Mütter seid!

Die Digitalisierung bietet ja viele Möglichkeiten, flexibel zu arbeiten (homeoffice, Videokonferenzen, etc.). Die Technik ist aber nur ein Aspekt, der andere ist ein Umdenken bei den Arbeitgebern. Feste Grenzen für Meetings (z.B. nicht vor 9h, nicht nach 16h), die zu den Kita-Zeiten passen oder definierte Erreichbarkeiten können helfen. Oder statt dem Teamessen nach ganztätigen Workshops oder Meetings am Abend einfach mit einem gemeinsamen Frühstück starten. Das lassen sich die Kids vorher noch in die Kita bringen und man braucht abends keinen Babysitter. Und ich als Vater freue mich auch, wenn ich abends früher zuhause bin und die Kinder noch ins Bett bringen kann. 

Das setzt natürlich auch eine Rücksichtnahme der Kollegen voraus, beim Ansetzen von Meetings, Urlauben etc. Klappt das nicht, ist meiner Meinung nach der/die Vorgesetzte gefragt!

Und beim Spagat zwischen Kind und Karriere hilft oft auch die „80% is good enough“ Regel. Beide Bereiche perfekt zu managen ist vielleicht gar nicht möglich, der Versuch es zu schaffen aber sehr anstrengend und oft mit Frustration verbunden. Gilt auch für uns Väter!

3. Was könnten berufstätige Mütter machen, um das Image dorthin zu verändern?

Ich finde: Ihr macht das super! Seid nicht zu streng mit Euch selbst, sondern stolz auf das was Ihr macht, Eure Kinder und Männer sind es sicher!

 

Fazit

Auch wenn die Antworten unterschiedlich ausfallen, haben Sie meiner Meinung nach eine Gemeinsamkeit. Die Basis für das aktuelle Image über berufstätige Mütter schaffen zum einen die existierenden Rahmenbedingungen und zum anderen die Historie bzw. das veraltete Rollenbilder. Puh! Es sind also überwiegend die Rahmenbedingungen und die Historie! Nicht wir Persönlich? Das ist das was, wir uns groß aufschreiben sollten! Wie oft verlieren Mütter den Mut, fangen erst gar nicht an zu arbeiten, weil sie denken, sie haben keine Kompetenzen, Stärken oder es liegt an ihnen Persönlich, dass sie nicht mit offenen Armen nach der Elternzeit empfangen werden oder gleichermaßen behandelt werden wie vor der Geburt ihres Kindes.

Wie bei meinem Fallbeispiel oben, lassen uns Kommentare von Chefs oder Kollegen vor Beginn des Jobs oder auch im Job an uns zweifeln. Was können wir dagegen tun? An uns glauben! An unsere Kompetenzen und Stärken! Auch wenn es uns manchmal verdammt schwerfällt, dürfen wir nicht zulassen, dass uns „solche“ Aussagen dazu veranlassen, aufzugeben, an uns persönlich zu zweifeln, wir uns noch mehr aufreiben und noch mehr Stress auf uns nehmen. Mache das Image dafür verantwortlich, die existierenden Rahmenbedingungen, die Historie, vielleicht auch irgendwelche Erfahrungen deines Chefs oder Kollegen. Das soll keineswegs eine Entschuldigung dafür sein, dass so mit dir umgegangen wird, aber es soll dir helfen, dich frei von irgendwelchen Selbstzweifeln und Schuldgefühlen zu machen.

Was ist dann der nächste Schritt? Mache dir bewusst, was in dir steckt, welche Kompetenzen und Stärken du mitbringst, welchen grandiosen Mehrwert du lieferst (und ja du lieferst einen! Jeder von uns!). Glaube an dich! Und dann? Fühle dich nicht hilflos der Situation ausgesetzt, sondern finde DEINEN Weg, nicht passiv, sondern aktiv!

Deine Stefanie
#Genieße das Leben jetzt! Es ist zu kurz für irgendwann.

 

Mache mit bei meiner Serie „Frag doch mal … Mütter!“. Du hast dich immer schon gefragt, wie machen DAS andere Mütter? Wie lösen Sie das Problem xy? Schreibe mir deine Frage (mail@gundel-coaching.de, Betreff „Frag doch mal … Mütter!“) und ich werde andere Mütter für dich fragen. Jede Frage behandele ich streng vertraulich und anonym. Beispiel-Fragen findest du hier.

* Selbstverständlich habe ich mir das Einverständnis meiner Klientin geholt, anonym hier über ihre Situation schreiben zu dürfen.

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